Für Rückmeldungen zu einer Unterrichtsreihe oder einem Kurs genügt ein kurzer Fragebogen mit klarem Ziel. Kombinieren Sie leicht auswertbare geschlossene Fragen mit ein oder zwei offenen Fragen für Beispiele und Verbesserungsideen.
Die Antworten zeigen, wie Lernende Erklärungen, Aufgaben und Lerntempo wahrnehmen. Sie geben Hinweise für Anpassungen, aber keinen vollständigen Aufschluss über die Qualität des Unterrichts.
Ziel des Fragebogens festlegen
Legen Sie fest, was der Fragebogen herausfinden soll. Geht es um eine einzelne Stunde, eine Unterrichtsreihe oder den ganzen Kurs? Wählen Sie außerdem einen konkreten Bereich, etwa Verständlichkeit, Lerntempo oder Arbeitsformen. Bei einer Frage zu mehreren Themen wissen Lernende oft nicht, worauf sie antworten sollen.
Fragen Sie zum Beispiel getrennt: „Wie verständlich waren die Erklärungen?“ und „Wie hilfreich waren die Aufgaben beim Lernen?“ Das ist klarer als „Waren die Erklärungen verständlich und die Aufgaben hilfreich?“
Erklären Sie in der Einleitung, warum Sie den Bogen einsetzen, auf welchen Zeitraum sich die Fragen beziehen und was mit den Antworten passiert. Geben Sie außerdem an, wer die Rückmeldungen sieht und wie Sie die Ergebnisse später mit der Klasse oder dem Kurs besprechen.
Fragen zum Unterricht auswählen
Geschlossene Fragen geben feste Antwortmöglichkeiten vor. Sie eignen sich, wenn Sie Einschätzungen vergleichen oder schnell zusammenfassen möchten. Für eine einzelne Frage kann eine vier- oder fünfstufige Skala passen. Die Antwortwörter müssen zum Thema passen: Zustimmung, Häufigkeit und Verständlichkeit verlangen unterschiedliche Formulierungen.
Eine Skala mit einer mittleren Antwortmöglichkeit lässt Raum für eine neutrale Einschätzung, kann aber auch ausdrücken, dass jemand unsicher ist oder die Frage nicht beurteilen kann. Eine vierstufige Skala hat keine neutrale Mitte und lenkt die Antwort eher in eine positive oder negative Richtung. Ergänzen Sie bei Bedarf „Kann ich nicht beurteilen“, wenn die Frage nicht für alle passt.
Bieten Sie mehrere Antwortmöglichkeiten zur Auswahl an, wenn mehrere Antworten gleichzeitig zutreffen können. Eine offene Frage lässt Lernende eigene Beispiele oder Vorschläge nennen. Sie liefert mehr Einzelheiten, braucht aber mehr Zeit beim Lesen und Auswerten. Für einen kurzen Bogen ist deshalb eine Mischung sinnvoll: mehrere geschlossene Fragen und höchstens ein oder zwei offene Felder.
Formulieren Sie jede Frage zu einem Thema. Vermeiden Sie doppelte Verneinungen, unklare Wörter wie „oft“ ohne Zeitraum und Fragen, die eine bestimmte Antwort nahelegen. Ein kurzer Probelauf mit einigen Lernenden zeigt, ob die Fragen verständlich sind und wichtige Antwortmöglichkeiten fehlen.
Beispiel für einen kurzen Fragebogen
Passen Sie diesen Entwurf an ein Fach, eine Altersgruppe oder einen Kurs an. Er dient als Muster, ist aber kein geprüftes Messinstrument.
Worum geht es? Wir möchten wissen, wie du die Unterrichtsreihe in den letzten vier Wochen erlebt hast. Bitte schreibe keine Namen oder Angaben auf, durch die du oder andere erkennbar werden. Die Antworten werden zusammengefasst und anschließend mit der Klasse besprochen.
1. Wie verständlich waren die Erklärungen in dieser Unterrichtsreihe?
Sehr unverständlich / Eher unverständlich / Eher verständlich / Sehr verständlich / Kann ich nicht beurteilen2. Wie oft wusstest du bei einer Aufgabe, was du als Nächstes tun solltest?
Nie / Selten / Manchmal / Oft / Immer / Kann ich nicht beurteilen3. Welche Arbeitsformen haben dir beim Lernen geholfen?
Mehrfachauswahl: allein arbeiten / Partnerarbeit / Gruppenarbeit / gemeinsame Erklärung / Übungsaufgaben / Sonstiges4. Welche Aufgabe oder Arbeitsform hat dir besonders beim Lernen geholfen? Warum?
Freitext5. Was könnten wir beim nächsten Mal konkret anders machen?
Freitext
Anonymität beim Schulfeedback schützen
Ein Fragebogen ohne Namensfeld ist nicht automatisch anonym. In einer kleinen Klasse können besondere Erlebnisse oder sehr persönliche Angaben verraten, von wem eine Antwort stammt. Bitten Sie deshalb auch bei offenen Fragen darum, keine Namen und keine leicht erkennbaren Einzelheiten aufzuschreiben.
Sammeln Sie Papierbögen so ein, dass andere Lernende die Antworten nicht sehen. Eine Sammelbox oder ein verschlossener Umschlag bietet dafür eine einfache Möglichkeit. Bei digitalen Befragungen sollten Sie prüfen, welche Daten das verwendete Werkzeug speichert, ob es technische Kennungen wie IP-Adressen erfasst und wer auf die Antworten zugreifen kann. Ein Link ohne Namensabfrage macht die Befragung nicht automatisch technisch anonym. Klären Sie Fragen zum Datenschutz bei Bedarf mit der zuständigen Stelle Ihrer Schule.
Erklären Sie vorab ehrlich, was anonym bleibt und wie Sie die Ergebnisse verwenden. Anonymität kann den Druck verringern, persönlich zuordenbare Kritik zu äußern. Sie garantiert jedoch weder ehrliche Antworten noch hilfreiche Rückmeldungen.
Fragebogenantworten auswerten
Bei geschlossenen Fragen genügt für eine interne Rückmeldung meist eine einfache Auswertung: Zählen Sie, wie oft jede Antwort gewählt wurde. Wenn Sie Anteile angeben, nennen Sie auch die Zahl der eingegangenen Antworten. So bleibt nachvollziehbar, worauf sich die Prozentwerte beziehen. Ein Balkendiagramm macht die Verteilung oft gut sichtbar.
Lesen Sie offene Antworten mehrmals durch und sortieren Sie ähnliche Aussagen nach Themen, etwa „Erklärungen“, „Aufgaben“ oder „Lerntempo“. Halten Sie wiederkehrende Wünsche fest, ohne einzelne Kommentare als Mehrheitsmeinung darzustellen. Ein einzelner Vorschlag kann nützlich sein, sagt aber nicht automatisch, dass die ganze Klasse ihn teilt. Entfernen Sie Angaben, an denen man Personen erkennen kann, bevor Sie Beispiele weitergeben.
Ziehen Sie aus wenigen Antworten keine allgemeinen Schlüsse. Die Rückmeldungen zeigen, wie die Teilnehmenden den abgefragten Zeitraum und die genannten Aspekte erlebt haben. Sie erklären nicht automatisch, warum ein Problem entstanden ist.
Ergebnisse mit der Klasse besprechen
Stellen Sie der Klasse die wichtigsten Ergebnisse verständlich vor und geben Sie Raum für Rückfragen. Besprechen Sie anschließend, welche Änderung realistisch ist. Wenn Lernende zum Beispiel häufiger um eine klare Erklärung der nächsten Arbeitsschritte bitten, können Sie diese Schritte bei der nächsten Unterrichtsreihe sichtbar festhalten.
Prüfen Sie später, ob Sie die vereinbarte Änderung umgesetzt haben. Fragen Sie, ob sie umgesetzt wurde und wie die Lernenden sie erlebt haben. So nutzen Sie den Fragebogen für ein Gespräch über das Lernen und setzen die Ergebnisse in konkrete Änderungen um.