Bei Klassenarbeiten, Prüfungen in der Ausbildung und Fachgesprächen müssen Sie Wissen ohne Unterlagen abrufen. Selbsttests üben genau das: Sie antworten erst aus dem Gedächtnis und prüfen Ihre Antwort danach.
Studien aus dem Schulunterricht zeigen, dass kurze Abrufübungen das spätere Erinnern verbessern können. Karteikarten, kurze Tests und Zusammenfassungen aus dem Kopf eignen sich dafür: Antworten Sie zuerst selbst und kontrollieren Sie danach.
Warum Abrufen beim Lernen hilft
Beim Wiederlesen sehen Sie eine Information erneut. Beim Abrufen holen Sie sie aus dem Gedächtnis und formulieren sie selbst. So üben Sie, das Wissen später ohne Vorlage zu nutzen. Ein Selbsttest zeigt außerdem, welche Inhalte schon sitzen und wo Sie noch nachlernen sollten.
Auch eine Studie in einem sechsten Schuljahr fand, dass kurze Quizze spätere Prüfungsleistungen verbesserten. Die Ergebnisse sprechen für regelmäßiges Üben mit Fragen, gelten aber nicht automatisch für jede Lernaufgabe und jedes Fach.
Wenn Ihnen eine Antwort beim Lesen vertraut vorkommt, wissen Sie deshalb noch nicht, ob Sie sie auch ohne Vorlage aus dem Gedächtnis abrufen können. Decken Sie deshalb die Lösung ab, antworten Sie selbst und vergleichen Sie erst danach.
Karteikarten richtig nutzen
Schreiben Sie auf die Vorderseite eine klare Frage und auf die Rückseite eine kurze Antwort. Lesen Sie die Frage, formulieren Sie die Antwort aus dem Gedächtnis und drehen Sie die Karte erst dann um. Bearbeiten Sie Karten, bei denen Sie unsicher waren, später erneut.
In Biologie könnte auf der Vorderseite stehen: „Welche Aufgabe haben die roten Blutkörperchen?“ In einer Fremdsprache eignet sich ein Wort oder ein kurzer Satz, dessen Übersetzung Sie abrufen. In einer Ausbildung können Sie nach der Funktion eines Bauteils oder einem typischen Einsatz fragen. Enthält eine Antwort mehrere wichtige Punkte, sollte die Rückseite sie knapp nennen. So können Sie Ihre Antwort gut vergleichen.
Karten funktionieren am besten, wenn sie eine einzelne, gut prüfbare Frage enthalten. Bei einer Karte mit einem ganzen Kapitel auf der Vorderseite sehen Sie kaum, welche Teile Sie schon beherrschen. Bei digitalen Karteikarten gilt dieselbe Regel wie bei Papierkarten: Erst antworten, dann die Lösung ansehen.
Kurztests nach einem Lernabschnitt
Beantworten Sie nach einem Abschnitt einige Fragen, ohne ins Heft oder Lehrbuch zu schauen. Das können kurze Antworten oder Lückensätze sein. Sie können auch Rechenaufgaben lösen oder den Stoff mündlich erklären. Prüfen Sie danach, ob das Ergebnis stimmt und ob wichtige Schritte oder Begründungen fehlen.
Für Geschichte können Sie etwa zwei Ursachen eines Ereignisses nennen und eine davon erklären. In Mathematik rechnen Sie eine Aufgabe ohne Musterlösung und prüfen anschließend den Rechenweg. In der Ausbildung lässt sich ein Ablauf aus dem Arbeitsschutz aus dem Gedächtnis wiedergeben und danach mit der betrieblichen Anleitung abgleichen.
Führen Sie solche Übungstests möglichst ohne Notendruck durch. Sie dienen dazu, Wissenslücken aufzudecken und den Abruf zu trainieren. Benotete Prüfungen erfüllen eine andere Aufgabe und sind nicht automatisch bessere Lernübungen.
Zusammenfassen, ohne nachzusehen
Schließen Sie nach dem Lesen Ihre Unterlagen, schreiben Sie die Hauptgedanken aus dem Gedächtnis auf und prüfen Sie anschließend in den Unterlagen, welche Punkte fehlen oder falsch erinnert sind. Markieren Sie diese Punkte und ergänzen Sie sie. In Geografie könnten Sie nach einer Unterrichtseinheit eine Übersicht zu Klimazonen aus dem Kopf erstellen. In einer Ausbildung können Sie einen Beratungsablauf notieren und ihn anschließend mit dem betrieblichen Ablaufplan vergleichen.
So üben Sie, den Stoff aus dem Gedächtnis abzurufen. Zusammenfassen allein reicht nicht zuverlässig aus, um Inhalte zu behalten: Eine Zusammenfassung kann wichtige Punkte auslassen oder falsch wiedergeben. Prüfen Sie deshalb immer, ob Ihre Notizen die zentralen Punkte korrekt wiedergeben.
Selbsttests mit Abstand wiederholen
Rufen Sie denselben Stoff zu verschiedenen Zeitpunkten erneut ab, statt alle Fragen direkt hintereinander zu bearbeiten. Sie können zum Beispiel später am selben Tag und an weiteren Lerntagen prüfen, was noch im Gedächtnis ist. Die passende Pause hängt vom Lernstoff und dem Zeitpunkt ab, an dem Sie das Wissen brauchen. Wichtig ist, dass Sie den Stoff mindestens ein paar Mal abrufen, nachdem die erste Lerneinheit vorbei ist.
Wenn Ihre Antwort falsch ist, lesen Sie die richtige Lösung, klären Sie den Fehler und versuchen Sie es später erneut. Wenn Sie die Lösung nur wiederholt anschauen, üben Sie den Abruf weniger direkt, als wenn Sie es erneut selbst versuchen.
Faktenwissen und Verständnis üben
Karteikarten eignen sich besonders für Begriffe, Vokabeln, Formeln und kurze Fakten. Für Zusammenhänge brauchen Sie zusätzlich Fragen, bei denen Sie etwas erklären oder anwenden. Fragen Sie in Biologie etwa nach einem Fachbegriff und lassen Sie außerdem erklären, wie ein Vorgang abläuft. In Mathematik sollten Sie neben Rechenregeln auch Aufgaben mit unterschiedlichen Angaben lösen.
In der Ausbildung lässt sich ein Sicherheitsablauf zunächst aus dem Gedächtnis aufsagen. Praktische Fertigkeiten erfordern darüber hinaus tatsächliches Üben und Rückmeldung. Eine richtige mündliche Beschreibung beweist noch nicht, dass jeder Handgriff sicher gelingt. Bei Arbeitsabläufen sollten Sie deshalb nach Möglichkeit unter passenden Bedingungen üben und Ihre Ausführung mit einer verlässlichen Anleitung oder einer fachkundigen Person abgleichen.